Skip to content

Montag 26.4.2010

April 29, 2011

Von Samos nach Gonzar

Der Tag beginnt mit Nebel.

Idyllisch liegt das Kloster im Dunst, die Luft gefüllt mit Feuchtigkeit und positiver Stimmung. Etwas mystisches verbreitet sich, etwas was unsere  Ankunft schon am Start spüren lässt.

Die beiden Spanier begleiten mich ein Stück auf meiner heutigen Etappe. Ihr Ziel ist es morgen Abend Santiago zu erreichen, zwei harte Etappen liegen noch vor ihnen. Ich jedoch habe Zeit und genieße es heute langsam angehen zu lassen.

Wir fahren auf idyllischen Pfaden durch Zauberwälder, einsame Dörfchen, durch überwachsene Hohlwege. Eine liebliche Landschaft über Tal und Berg. Dort wo die Bäche den Weg überspülen kann es , für unser Rad schon mal etwas rutschig werden. Hochkonzentriert und dennoch begeistert von der aufblühenden Landschaft, durch viel Grün,  Ginster, Heidekraut ist dieser Morgen ein Traum für Mountainbiker. Ein Weg zum genießen, über Stock und Stein, Bergauf und bergab, ein Camino der die einzigartige und abwechslungsreiche Landschaft Galiciens offenbart.

Dieser Weg ist gesäumt von Wegsteinen die die verbleibenden Kilometer bis zum Grab des heiligen Apostels anzeigen. Der Jakobsweg schlängelt sich weiter in südöstliche Richtung nach Brea, wo uns ein Kilometerstein auf die letzten 100 km bis Santiago de Compostela hinweist. Dieser Stein ist ein Höhepunkt eines Fusspilgers, denn als Fusspilger gilt wer die letzten 100 Kilometer am Stück gepilgert ist. Ab diesem Zeitpunkt kommt das beliebte Einsteigen in die örtlichen Buslinien nicht mehr in Frage, schmerzende Füsse, drückende Rucksäcke müssen nun bis zum Schluss ertragen werden, wer das Credicial erhalten möchte. Dieses Stück Papier kann in Spanien bei Bewerbungen ausschlaggebend sein. Reisevernastalter bringen Menschen mit Bussen zum Abzweig bei der Landstraße, damit sie ab hier mit Tagesgepäck und in kleinen Etappen „pilgern“ können.

Weiter geht es durch die für Galicien typischen Hohlwege, genannt Corredoira, über Morgade nach Ferreiros (660 m). In dem Ort, dessen Name auf eine oder mehrere Schmieden hinweist, gibt es eine schöne kleine Kirche, die romanische Iglesia Santa María de Ferreiros  aus dem 12. Jh., welche ursprünglich einen anderen Standort hatte, aber 1790 an den heutigen Platz am Friedhof versetzt wurde. Ein schön verzierter Taufstein steht vor dem Kirchenbau. Die Landschaft wird immer kräftiger, der Frühling ist voll erblüht, die Bauern mähen bereits ihre Felder. Störche und Greifvögel freuen sich auf die Opfer der Mähmaschine. Ein Storch kommt in sanften Bogen zum Boden hinab geschwebt, ein schönes Tier, leider doch zu weit entfernt um ein passables Foto zu schießen.

Auf schmalen , steinigen Wegen geht es weiter schon bald genießen wir den Blick auf Portomarín , das auf der anderen Talseite liegt. Bevor wir  dort einrollen, muss man noch zum Belesar-Stausee auf einen nicht allzusteilen Trail hinabfahren und den aufgestauten Río Miño auf einer hohen Brücke überqueren. Bei niedrigem Wasserstand kann man unterhalb noch Reste älterer Brücken aus dem Wasser ragen sehen. So erreichen wir über eine Steintreppe den Ort Portomarín. Meine Wegbegleiter sind beim Tragen ihres Rades weniger konditionell gut aufgestellt, oder aber ihre Räder wiegen einiges mehr als meines. Auf jedenfall trage ich meinen Drahtesel locker die steile Treppe hinauf.

Der Ort wird im Jahr 792 erstmals als „Portumarini“ urkundlich erwähnt. Das Gebiet war demnach schon lange besiedelt, wie auch die Überreste keltiberischer Wehrdörfer, so genannter Castros, auf dem Gemeindegebiet bezeugen. Als einer der wenigen Übergänge am Río Miño, war der Ort von jeher eine wichtige Durchgangsstation für Jakobspilger. So wundert es nicht, dass sich gleich drei Ritterorden hier niederließen: am linken Miño-Ufer die Santiagoritter und die Tempelritter, am rechten Ufer die Johanniter. Die Wehrkirche San Nicolás musste dem Stausee weichen, wurde abgetragen und weiter oben am Hang wieder errichtet. Auch die Portalfront der Kirche San Pedro, ein Brückenbogen der mittelalterlichen Brücke sowie die Paläste Casa dos Condes und Palacio de Berbetoros aus dem 16. und 17. Jh. wurden in den neuen Ortskern verlegt. Das alte Portomarín verschwand.

Hier verabschiede ich mich von meinen Wegbegleitern, ihre Reise geht noch weiter, meine sollte nun hier enden. Es ist gerade mal Mittag und mein Magen knurrt. Im Supermarkt kaufe ich mir frisches Obst, ein Baguette, eine Salami und etwas frisches zu trinken. Auf den Stufen der Kirche San Pedro genieße ich in der Sonne mein Mahl und schaue dem Straßenkehrer bei seiner Arbeit zu. Ab und zu sehe ich Pilger mit ihren schweren Rucksäcken. Hier treffe ich auch auf Sabine und Claudia, zwei Mädels meines Alters. Wir unterhalten uns kurz und merken direkt das wir uns mehr zu sagen haben. So verabreden wir uns in der Herberge in Gonzar. 

Nach meiner Stärkung dem netten Gespräch mit der Vorfreude auf mehr, mache ich mich wieder auf den Weg. Ich überquere  auf einer Fußgängerbrücke eine Bucht des Stausees, wende mich dahinter nach rechts und fahre auf einem Fuhrweg durch ein Waldgebiet steil bergauf. Auf der Anhöhe trifft man bald auf die von Portomarín kommende Landstraße und folgt ihr nach links. Der Pilgerpfad verläuft auf der rechten Seite der Straße und ist auch gut für mich als Biker geeignet. Ich passiere eine Industrieanlage, wechseln wenig später am Weiler Toxibo die Straßenseite und fahre ein Stück auf einem Waldweg endlich wieder etwas abseits der Straße. Das letzte Stück meiner Etappe verläuft wieder dicht am Straßenrand, bevor ich das heutige Etappenziel, Gonzar  erreiche.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Die Herberge , Casa Garcia, ist ein typisches galicisches Bauernhaus mit Innenhof. Innen modern ausgebaut zu einer Herberge für Pilger. Es stehen die üblichen Schlafsäle mit Etagenbetten zur Verfügung oder aber Doppelzimmer mit eigenem Bad für etwas mehr Geld. Die Nacht kostet hier 10 Euro, viel für eine Nacht im Verhältnis der Herbergen in denen ich sonst so nächtigte. Doch absolut lohnenswert. Tolle breite Betten, hübsche Räume, warme Duschen und …tata…. einen Wäscheservice.

Ich gebe nach dem Einschecken meine dreckige Wäsche ab, sitze in Unterwäsche und T-shirt in der Sonne und warte auf meine von der Hausherrin gewaschenen Wäsche. Herrlich, entspannen , genießen, ausruhen…Auf der Pilgerreise kann es tatsächlich zum Erlebnis werden frische, wohl duftende Kleidung zu tragen, denn wenn man sich selbst nicht mehr riechen kann ist es ratsam so eine Herberge wie diese aufzusuchen.

Den Abend verbringe ich mit den beiden Mädels, wir essen hervorragende galicische Küche, trinken 2 Flaschen Wein und erzählen uns unser Leben, welches sich in weiten Teilen sehr ähnelt. Heute ist wieder so ein TAg an dem ich meinen Weg lieber zu Fuss weiter gehen möchte, langsam, Schritt für Schritt, den Gedanken nachhängend mit netten Menschen an der Seite.

Mein frisch geputztes Fahrrad jedoch muss mir auf dieser Reise Freund genug sein, ich genieße die Berührungspunkte mit den Fusspilgern und erfreue mich an der Freundlichkeit der Menschen.

Routenplanung für Tag 13:

Gonzar–> Palas de Rei 817,1)–> Melide (31,6)–> Castaneda (40,0) –> Ribadiso de Baixo (44,0)

Fazit:

Saubere Wäsche macht glücklich!

Advertisements
2 Kommentare leave one →
  1. April 29, 2011 12:46 pm

    Unglaublich, dass diese Reise auch schon wieder ein Jahr her ist… es liest sich immer wieder schön… und weckt Sehnsucht.

    So long,
    Corinna

  2. April 29, 2011 6:52 pm

    Sehr gut umgesetzt – ein Tag mit Nebel … da gibt es auch weniger Fotos 😀

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: