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Von O Cebreiro nach Samos

April 27, 2011

Hinterm dem schönen Örtchen O Cebreiro , geht es auf  dem Höhenrücken des Pozo de Aréa nochmals 40 Höhenmeter bergauf. Vorbei an Linares und Hospital erreiche ich Alto de Poio, dort treffe ich einen mächtigen bronzenen Pilger.

Am Wochenende sind viele Autopilger unterwegs. Eine spanische Familie kommt mit 3 Autos angefahren um rasch ein paar Fotos zu schießen. Immer wieder fallen die Worte wie: „Ver, que son peregrinos!“ –> Seht wir sind Pilger! Es wird gepost, und gestaunt, es wird wie bei den Spanier üblich wild durcheinander geredet und gelacht. Anschließend nach wenigen Minuten rauschen sie hinab ins Tal zum nächsten Pilger Highlight , „dem Kloster Samos“ welches auch mein Ziel sein sollte.

Nun endlich winkt auch mir die wohlverdiente Abfahrt!

Doch ich fahre nicht auf den direkten Weg über die Landstraße, sondern rolle wieder auf den Spuren der vielen Fusspilger durch die schöne Gebirgslandschaft.  Ein Highlight am heutigen Tag, schöne Trails teilweise sehr steinig und ausgewaschen. Ich bin in meinem Element, genieße die Passagen und rausche in die Tiefe , vorbei an Fonfria, Lamas, Vilar und Pasantes um schließlich in Triacastela einzurollen.

Zur Mittagszeit ist es in diesem kleinen Ort sehr angenehm, kaum Autos auf den Sträßchen dafür volle kleine Restaurants mit kleinen Tischen an den Hauswänden. Ich beschließe ausnahmsweise ein richtiges Pilgermahl zu bestellen und bereue es bereits beim ersten Gang. Das knackige Gemüse, auf welches ich mich gefreut habe, ist verkocht, das Hähnchen fettig und kein bisschen knusprig, einzig schmeckt der billige Landwein. Den Nachtisch, eine undefinierbare Pampe, lasse ich unberührt stehen und weiß für alle Tage das mein Baguette und die harte Salami besser zu mir passen als touristische Menüs!

Zwei Radpilger aus Villafranca sehen das ganz anders und genießen anscheinend die Mahlzeit, ein kurzes Geplauder mit stockenden Spanisch meinerseits und wir beschließen den Rest unserer Etappe gemeinsam zu fahren. Das dichte Grün Galiciens verleiht dieser Landschaft einen einzigartigen Zauber. So führt uns der Pilgerpfad uns in ein Flusstal, wunderschöne Wege ein leichtes Auf und Ab mit wenig Fusspilgern. Malerisch schlängelt sich der WEg am Rio Sarria entlang, kleinere Kapellchen lassen uns immer wieder bei strahlenden Sonnenschein verweilen. Wir passieren eine Alte Mühle und reichen bald unser Ziel. Der Blick von oben ist beeindruckend. Das Kloster Samos zählt zu den ältesten Klöstern Spaniens. Gegründet im 6.Jh. zeigt sich die heutige Anlage im Renaissance und Barockstil. Die alten Mauern strahlen eine große Anziehungskraft aus und ich freue mich auf eine Nacht unter klösterlicher Obhut.

Die Herberge für die Pilger ist von der Rückseite aus zugänglich, direkt an dem alten Gemäuer ist eine Tankstelle angebaut und so betrete ich meine heutige Schlafstätte mit Benzingestank in der Nase. Den mit zahlreichen Wandmalereien verzierten Raum schließe ich sofort in mein Herz, die Etagenbetten sind alt , die Decken dazu ähneln eher einer Pferdedecke, schwer und kratzig doch die freundliche Aufnahme des Hostelieries lässt mich ankommen am Ziel meiner heutigen Etappe. Das Bett erweist sich als ein doch recht konfortables Nachtlager und die Aussicht mit weiteren 51 Pilgern in einem Raum zu nächtigen schreckt mich keineswegs ab!

Die Dusche ist spärlich und kalt, es gibt keine Trennung zwischen Männlein und Weiblein, aber wen stört das schon, schließlich sind wir alle froh wieder einmal am Ziel angekommen zu sein.

Meine anschließende Besichtigung der Klosteranlage ist atemberaubend, die Führerin spricht ein Spanisch bei dem ich sogar etwas verstehe und somit die vielen prächtigen Wandmalereien im inneren Der Klosteranlage bestaunen und verstehen kann. Kühl ist es in den Kreuzgängen eine willkommende Abwechslung zu der frühsommerlichen Hitze an diesem Tag. Meine Wegbegleiter laden mich zu einem Glas Bier ein und erzählen mir mit verständlichen Vokabeln ihre kleine Reise. Sie sind nun auf der 5. Etappe zum Grab des Apostels. Angetreten haben sie den Weg 2005 um im heiligen Jahr ihr Ziel zu erreichen. Jeweils nur wenige Tage Zeit zum Pilgern, genießen sie nun die wenigen Kilometer bis zum Ziel. Ihre Frauen und Kinder werden sie in Santiago begrüßen und mit ihnen ihren langen Weg feiern. Auf mich wird keiner warten, nicht in Santiago!

Nach der Besichtigung der Zypressen Kapelle , ein im mozarabischen Stil erbautes Gotteshaus in der Ortsmitte , genieße ich die untergehende Sonne , tanke Kraft und weiteren Mut meine Reise fortzusetzen. Die Tage gehen langsam dahin, die Zeit rennt nicht, ich genieße jede Minute, jeden Blick, jede Umdrehung meines Rades und die Begegnungen mit den fremden Menschen die mir doch so nah sind! Es eint uns ein Ziel, ein Weg und ein Stück Glaube, eine Idee das diese Reise in unserem Leben etwas bewirken kann. Ich weiß das ich in Santiago eine Andere sein werde als zu Beginn meiner Reise in Pamplona.


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Tagesprotokoll:

59,0km; 5:18:42; Ø11,1km/h; max. 44,4km/h; 2467 kcal; Puls Ø 123bpm; max. 163 bpm

Routenplanung für Tag 12:

Samos –> Sarria (10,3km) –> Morgade (24,7) –> Portomarin (35,9)

Fazit:

Wer rast kommt schneller voran,

aber das Ziel entfernt sich dennoch!

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2 Kommentare leave one →
  1. April 27, 2011 9:45 am

    Nun bin ich auch hier bei Deinem Reisebericht gelandet, habe alles zurückgelesen und freue mich -fast! neidlos- mit Dir.

    Herzliche Grüße
    Sweetkoffie

  2. April 27, 2011 8:31 pm

    Der kühlende Wind der Abfahrt ist mir aber nicht entgegengekommen – Du musst noch eine Abfahrt nachlegen 😉

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