Die Abfahrt
Fortsetzung
Samstag 24.04.2010
Die Landschaft hier oben am Cruz de Ferro ist gezeichnet von sanft gerundeten dunklen Bergkuppen. Ginster und Heidekraut, leider noch nicht in Blüte säumen meinen Weg.
In rauschender Abfahrt fahre ich hinab ins Bierzo, dem Vorzimmer Galiciens.
Doch kurz hinter dem Gipfel erreiche ich die Überreste des verfallenen Bergdorfes Manjarin. In diesem verfallenden Weiler betreibt ein idealistischer Aussteiger mit grenzenloser Begeisterung ein “Freiluftrefugio”. Als ich dort ankomme ist dieser Ort keineswegs verlassen, Menschen drängeln sich in dem kleinen Häuschen nahe der Straße, manche stehen auf Bänken vor der Hütte und versuchen einen Blick ins Innere zu erhaschen. Ich, immer noch ergriffen vom dem gerade Erlebten, bin die Ruhe selbst und stelle mein Rad am Zaun des kleinen Weilers ab und bewundere erst einmal die vielen Hinweisschilder die in die ganze Welt gerichtet sind.
Tomás, einer der bekanntesten Persönlichkeiten des Caminos lebt in der Einsamkeit nach der Tradition der Tempelritter und gewährt jedem seine Gastfreundschaft. Soviel Gastfreundschaft habe ich nun nicht erwartet, eine Tasse Kaffe hätte ich gerne getrunken, einen Stempel wollte ich mir geben lassen und eigentlich dann hinabrasen ins Tal. Doch was hatte es denn nun auf sich mit diesen Menschenmassen, ich erblicke allerlei technische Gerätschaften, große Scheinwerfer . Kabel liegen scheinbar ungeordnet am Boden. Ein paar umher wieselnde schwarz gekleidete junge Leute rennen mich fast um. Aufgeregt werden Anweisungen erteilt und schon ruft jemand das wir den Mund halten sollen, automatisch ist es still am Berg. Ich höre einen Gesang, erst leise dann lauter, immer mehr Stimmen ergeben nun einen Chor der ein spanisches Lied singt. Die Stimmung ergreift mich obwohl ich keinen der Sänger sehen kann spüre ich die Wärme die ihre Botschaft ausstrahlt. Nach knapp 2 Minuten verstummt der Gesang und eine Zeremonie wird durchgeführt. Ich habe mich mittlerweile näher an die Schauspieler heran gewagt und kann nun auch einen Blick erhaschen ins Innere des Refugiums. Tomás ,das muss wohl der sein der diesen auffälligen Mantel trägt mit dem Symbol der Tempelritter , erteilt eine Art Segen den vor ihm knienden Pilgern. Ein paar Worte, eine Geste in die Luft und schon ist der Spuk vorbei, Kamera aus, Scheinwerfer aus und aus dem Getuschel wird lautes Gerede! Ich traue mich nun auch näher heran , lasse mir von dem sehr freundlichen jungen Assistenten von Tomás den Stempel geben, trinke noch schnell einen leckeren frischen Tee und mache mich anschließend auf den Weg ins Tal.
Kurz hinter Manjarín geht es noch einmal kurz bergan, die Landschaft ist herrlich. Da ich auf dem Fussweg für die Pilger bleibe entgeht mir auch die in meinem Reiseführer beschriebene Warnung für Radpilger. Ein großes Schild soll mich vor der nun folgenden , gefährlichen Fahrt warnen, kurvenreich und unübersichtlich wäre die Strecke auch wenn kaum Autoverkehr vorkommt, kam es schon zu tödlichen Unfällen. Der Pilgerpfad ist ein ausgetretender WEg mit Wurzeln und Steinen, ein paar zugegeben steile Passagen muss ich passieren aber das bereiten mir keine Probleme. Im Gegenteil ich trete beherzt in die Pedale und vertraue meiner Technik und dem Material meines Rades. Diese Diashow benötigt JavaScript.
Ich rolle so gelassen durch die herrliche Berglandschaft abwärts, durchquere El Acebo, wenig später Riego Ambrós, lasse auch das malerische Molinaseca mit seinen stattlichenBauernhäusern sowie die Kapelle der Virgen de las Angustias links liegen um nach wenigen Kilometern Ponferrada zu erreichen.
Ponferrada ist die Hauptstadt der Comarca El Bierzo der Provinz León. Sie liegt 508 m über dem Meer am Zusammenfluss von Sil und Boeza. Eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten ist die Templer Burg (siehe Bild unten). Eine kurze Stadtrundfahrt genüg mir jedoch und ich suche schnell das weite aus dem hektischen Betrieb der Stadt. Nachdem ich die Stadt hinter mich gelassen hab überquere ich eine Autobahn und tauche ein in Weinberge.
Durch Weinberge und alte Dörfer fahrend genieße ich das herrliche Wetter. Die Landschaft ist wirklich traumhaft, ich folge den gelben Pfeilen und erreiche schließlich mein Etappenziel am heutigen Samstag–> Villafranca


Hallo Bonafilia,
was für eine schöne Überraschung. Habe Deine Zeilen sogleich gelesen und bin gespannt auf weitere Berichte. Bei Rideweit laufen auch die letzten Vorbereitungen auf eine neue Reise.
Liebe Grüße M
Das wäre eine Etappe für mich gewesen … Abfahrt mit kühlendem Wind