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Freitag 23.4.2010

September 29, 2010

Rabanal del Camino

Bin in Rabanal del Camino, 1160 m hoch angekommen.

Nach einer angenehmen Nacht in einem großen Schlafraum bei den Benediktinerinnen und einem kleinen Frühstück startete ich in Leon gegen 8:30 in Richtung Hospital de Obigo. Mein angestrebtes Ziel war die zweite Hälfte der Etappe welche ich gestern in Leon abgebrochen habe. Jedoch erreichte ich das nette Städtchen bereits gegen 11:00 Uhr am Vormittag. Die imposante Brücke wird gerade restauriert, sicherlich ist sie ohne Gerüst ein wunderschönes Bauwerk.

Gebaut wurde diese Brücke über ein ehemaliges Sumpfgebiet und zur Aufnahme des Schmelzwassers aus den umliegenden Bergen. Berühmt wurde sie jedoch durch einen Ritter der an dieser Stelle spektakuläre Zweikämpfe dem Volk zeigte.

Dem Paso Honoroso !

Dies war ein ritterlicher Zweikampf, zu dem der leonesische Ritter Suero de Quiñones zwischen dem 10. Juli und dem 9. August 1434 auf der Brücke von Hospital de Órbigo alle nach Santiago pilgernden Ritter herausforderte. Es heißt, Don Suero habe 300 Lanzen geritten und keinen Zweikampf verloren.

Als Hintergrund zuder Geschichte gibt es 3 Varianten:

1. Die am weitesten verbreitete Version: Quiñones hätte aus Liebe zu einer gewissen Dame geschworen, rund um den Jakobstag (25. Juli) des Jahres 1434 300 Lanzen zu brechen. Er holte sich die königliche Erlaubnis, begab sich mit zehn Kampfgefährten an die Brücke des Orbigo, die nahezu alle Pilger passieren mussten, und forderte die vorbeiziehenden Edelleute zum ritterlichen Zweikampf. Dieser Forderung konnten sich die Geforderten aufgrund des vorherrschenden Ehrenkodex’ nicht entziehen. Nach Abschluss des Turniers, bei dem nur ein Edelmann zu Tode kam, sollen Herausforderer und Gegner gemeinsam nach Santiago de Compostela zum Schrein des Apostels gezogen sein. Quiñones stiftete seine Fessel – ein Halsband der bewussten Dame – dem Kathedralschatz, dort ist sie bis heute zu besichtigen.

2. Die Familie der Quiñones – eine mächtige Adelsfamilie – hätte mit einem derart großen Turnier ihre Macht und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen wollen.

3. Suero de Quiñones war kurz vorher verurteilt worden und musste eine Kaution zahlen, wenn er seine Strafe nicht durch Haft verbüßen wollte. Weil er aber über das notwendige Geld nicht verfügte, versuchte er es sich durch Weglagerei an einem Nadelöhr des Weges zu beschaffen. Wallfahrende Edelleute reisten nur mit leichter Bewaffnung, so dass für Quiñones und seine Kampfgefährten das Risiko kalkulierbar blieb.

Wiederbelebung

Seit einigen Jahren gibt es wieder Ritterspiele in Puente de Orbigo. Unterhalb der berühmten Brücke wurde dazu eine Kampfbahn angelegt (im vergrößerten Bild: der helle Fleck hinten links der Brücke), auf der alljährlich im Sommer die Nachfahren Don Sueros die Lanzen kreuzen, während Ritterfräulein von der Tribüne aus bunte Tücher schwenken, respektive dem Streiter ihrer Wahl zuwerfen.

Nun aber zurück zu meinem Weg.

Das Frühstück schmeckte mir gut an diesem sonnigen Tag und eine nette Bekanntschaft machte ich auch. Ein Engländer gesellte sich zu mir und verbrachte mit mir seine und meine wohlverdiente Pause. Er war per Fuss unterwegs und sicherlich schwer beladen. Der große Rucksack schien ihn zu erdrücken. Gegenseitig machten wir Fotos von einander und genossen die spanische Salami und das allzu trockene Brot. Ein einzelner Radpilger fragte nachdem Weg und mit meinem paar Brocken Spanisch konnte ich ihm dank meiner Karte gut den Weg weisen.

Nach dieser Stärkung, nicht nur in Form von Lebensmitteln, machte ich mich weiter auf den Weg. Nun strebte ich das Bergstädtchen Astorga an.

Die Landschaft wandelte sich nun endlich, die öden weiten der Meseta hatte ich nun endlich hinter mir gelassen. Bewaldete Hügel und noch jung bestellte Felder gestalteten nun die Landschaft. Die fernen Bergketten ließen erahnen was mir nun bald bevor stand.

Das schöne Städtchen Astorga, mit seiner langen Geschichte zeigte sich im schönsten Sonnenschein von seiner Schokoladenseite. Bereits im römischen REich war Astorga ein wichtiger Punkt südwestlich von Leon. Zeitweise beherbergte es einen Bischof. Antoni Gaudí baute in neogotischem Stil den Bischofspalast, dessen Bau im Jahre 1889 begann und nach 20-jähriger Unterbrechung von Guerera im Jahre 1913 vollendet. Heute befindet sich das Museum der Wege – Museo de los Caminos in dem imposanten Prachtbau.

Ein ganzes Stück vor Astorga fuhr ich im geringen Abstand einem spanischen Trio hinterher. Ich hatte keine Lust zu nah aufzufahren da ich meine gewonne Gelassenheit nicht durch Ränkespiele auf der Strecke wieder verlieren wollte. Doch auch die strammen Jungs ließe es ruhig angehen so dass wir im Abstand lange Zeit das selbe Ziel anstrebten. In Astorga traf ich sie nach meiner kurzen Stadtbesichtigung auf dem Hauptplatz bei einer Tasse Kaffee im strahlenden Sonnenschein sitzend wieder. Die Spanier luden mich zu einem Kaffee ein und wir unterhielten uns kurz über den Camino, über Fahrräder und dem angestrebten Ziel für den heutigen Tag. Mein Spanisch gefiel mir mittlerweile gut. Fehlende Vokabeln ersetzte ich durch englische oder versuchte mit Zeichensprache das Wort zu erklären.

Bischofspalast von Gaudi

Einer der Drei hatte einen Plattfuss und musste diesen erst einmal flicken. Wir setzten den Camino gemeinsam fort, jedoch fuhr ich den Dreien bald davon, da diese den Reifen ein zweites Mal flicken mussten. Denn allein das Loch zu stopfen behebt nicht den Schaden, denn der Dorn welcher das Loch verursachte sollte gefunden sein damit dieser nicht ein weiteres Mal sein Unwesen treibt. Meine Anmerkungen beim Flicken wurden nicht gehört und so blieb der Bösewicht im Mantel und bohrte sich ein weiteres Mal in den Schlauch.

Der WEg führte abseits der belebten Straße durch eine abwechslungsreiche Landschaft, ich genoss die wiedererlangte Ruhe und die Sonne und fuhr und fuhr und fuhr…..ja wohin? Das am Fuße des “Cruz de Ferro” liegende Dorf Rabanal sollte nun mein Etappenziel werden. Der morgige Tag würde schon heftig genug werden. Schließlich liegt dieses einfache Eisenkreuz 1530 m hoch. Ein klarer Anstieg auf holperigen Wegen stand mir also bevor. Ich freute mich schon heute auf diesen Punkt meiner Reise, denn dort oben wollte ich meinen STEIN aus der Heimat ablegen!

Tagesprotokoll: 72,72 km; 4:54:30; ø 14,81 km/h ; max 42,0 km/h, 2630 kcal; Puls ø127 bpm; max.175bpm

Randnotiz:

  • es laufen ganz schön kaputte Typen auf dem Camino, so wirklich kaputte, später dazu mehr!
  • mach ein Pilger, pilgert mit dem Bus genauso viel wie zu Fuss, oder warum treffe ich DEN einen Spanier jeden Tag aufs Neue?


9 Kommentare Eins hinterlassen →
  1. September 29, 2010 7:50 am

    Menno, und jetzt bin ich voll auf den nächsten Tag gespannt! (Und auf die kaputten Typen).

    Bitte weiter schreiben, es liest sich so schön und tut gut!

    So long,
    Corinna

  2. September 29, 2010 8:58 am

    Na endlich! Habe gleich den Text zur weiteren Route verschlungen. Liest man gern, gerade wenn das momentane Wetter nicht so verlockend ist, um eine Radtour zu starten.
    Werde wohl heute nachmittag ein paar Schwarzwald-KM abspulen ;-) .
    Reisen macht Laune.
    Gruss M

    • September 30, 2010 4:37 am

      ja, die nahe unfreundliche Jahreszeit ist nicht verlockend!
      Den Schwarzwald hätt ich auch gern mal vor der Tür!

      Danke fürs Lesen, es geht auch direkt weiter!

  3. September 29, 2010 6:19 pm

    Schöne Geschichten, schöne Bilder – auf die kaputten Typen freue ich mich schon.

    Aber sag’ mal – hat Dir schon mal wer gesagt, dass man Fotodateien vor dem Hochladen auf eine Web-Plattform verkleinern kann, auch wenn dabei die Bildgröße und Qualität (ziemlich) erhalten bleibt? Dann bist Du schneller beim Hochladen und die anderen beim Herunterladen…

    • September 30, 2010 4:36 am

      oh….das man DAS kann, das hat MANN & FRAU mir schon gesagt…nur nicht WIE! :mrgreen:
      ..
      Danke für dein Lob, es geht auch gleich weiter!

      • September 30, 2010 4:07 pm

        Vielleicht finde ich was brauchbares für Dich … ich schreib’s dann bei mir.

      • September 30, 2010 7:29 pm

        Ich verwende Photoshop, aber Du kannst frei Tools wie z.B. irfanview verwenden. Jedenfalls findest Du einen Haufen Information z.B. mit “bilder für web optimieren” …

Trackbacks

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