4.Etappe
Santo Domingo de la Calzada – San Juan de Ortega
Sonntag 18.04.2110
Tagebuchaufzeichnung
San Juan de Ortega, sehr schön, die Sonne scheint endlich. Der Durchbruch der Sonnenstrahlen ereignete sich Punkt 12:00 Uhr Mittag. Eigentlich begann der Tag gar nicht mal so schlecht. Die Herberge in Santo Domingo war der reinste Luxus. Tolle Duschen, bequeme Betten. Eine super ausgestattete Küche und ein toller Ess-Saal, den ich auch mit 3 Italienern und einem selbstverliebten Hamburger, der gerade 50 geworden war, am Abend zuvor getestet habe.
Roland, wie gesagt 50, Fusspilger, Shell Mitarbeiter mit einer Position wo man schon Mitarbeiter führt (?), selbstverliebt und Hamburger. Er ist das was man sich so unter einem waschechten Hamburger halt so vorstellt. Nicht nur der Dialekt, ne die ganze Erscheinung. Er bezog im Schlafsaal das Bett über mir und da er ein lustiges Englisch sprach war mir schnell klar der Junge kommt aus Deutschland. Einer der gern redet und im Mittelpunkt steht, der unterhaltsam ist. Wir kochten gemeinsam Nudeln mit einer ganz speziellen Soße die Roland kreierte. Ich putze Salat, die Italiener deckten den Tisch und probierten schon mal den Wein. Der Abend war lustig, mein Englisch war holprig aber das war egal, da die Jungs aus Italien ein noch schlechteres Englisch sprachen. Nach dem Essen schauten wir uns gemeinsam das Städtchen an und erlebten ein typischen Samstagabend in Spanien. Die Stadt war auf den Beinen, alle…die Straßen war voll. Kinder spielten auf den Plätzen, die alten Männer standen zusammen und tranken ihren Wein, die Frauen redeten lautstark während sie ihre Kinder beaufsichtigten….es war Leben auf der Straße. Toll!
Nun aber zum Tag 4 meiner Reise. Die Regenwahrscheinlichkeit lag bei 54% mit 17°Grad Temperatur. Ich radelte beschwing los, allerdings nicht ohne den 2 Spanier mit ihren Tourenrädern einen “Buen Camino” zu wünschen. “wir sehen uns!” Der Camino geht nach Westen, das Ziel ist das selbe
Die Etappe sollte eigentlich sich gut fahren lassen, ein paar langgezogene Steigungen und eine Länge von 60 km sollten kein Problem sein. Auf alten lehmigen Wegen, vor Jahunderten von frommen Männern für die Pilger angelegt soll ich bei diesem Wegabschnitt das Bergland der Montes de Oca überwinden. Eine geografische und klimatische Trennlinie zwischen der Rioja und dem nördlichen Kastilien. Mein Zielort San Juan de Ortega ist bekannt für seine Gastfreundlichkeit. Die Nächstenliebe sei hier immer noch lebendig! So freue ich mich auf mein Ziel und auf den Weg dorthin.
Jedoch so locker leicht sollte es nicht werden. Vielleicht liegt das am Pilgern, das man immer erst dann etwas schönes genießen darf, wenn man vorher Entbehrungen hatte. Es find an zu regnen! Die schönen roten Lehmwege verwandelten sich sehr schnell in die reinsten Schlammbäder. Das was meine dicken Mountainbikeräder berührten war der reinste Ton, schön rot und sehr haftend. Ich blieb stecken, meine Räder waren voll geschlämmt. Ich hatte nun die doppelte Profilbreite und Höhe an Reifen, die Schaltung ließ sich nicht mehr bewegen und die Bremsen blockierten zusätzlich das Rad. Mir blieb nichts anderes übrig als vom Rad abzusteigen um meine Maschine vom Schlamm zu befreien um überhaupt weiterfahren zu können. Mit Hilfe eines Stockes welcher in Reichweite lag prokelte ich die nasse tonige Erde heraus. Der siffige Boden entzog meine Oberschenkel alle Kraft, dennoch musste es weiter gehen, einen anderen Weg als den Camino gab es hier nicht, der Abzweig zur Alternativroute lag weit hinter mir. Mein Tempo auf dieser noch ebenen Strecke betrug stellenweise nur 6 km/h. Ich verfluchte meinen Hintern, den Schlamm , den leichten Nieselregen und holte das Letzte das mir raus. Die spanischen Radpilger, eine 3er Gruppe und ein Quartett waren in Sicht und Hörweite. Eine Gruppe vor mir, eine dahinter. Bei einem Stopp musterte das Quartett mein Bike. Sie diskutierten auf Spanisch woher “Canyon” kommen mag. Anstatt mich zu fragen
Nachdem ich meine Schuhe auch wieder vom Schlamm befreit hatte klärte ich die Herren auf, worauf die Grünschnäbel über meine Komponenten sich ausließen. Meine Federgabel wäre doch zu kurz…damit sei ein sportliches Fahren doch nicht möglich…Ach ja? Ich sagte nur das es ein SUPER Bike wäre und fuhr den Jungs davon. Halb so alt wie ich! PH….sollen die erst mal hinterher kommen! Schließlich war nun der Schlammweg wieder passierbar und meine Motivation war mit einem Mal sehr hoch! PH!
…
…
…
…
…
…
…
Es geht stetig bergauf, ich gewinne zusehends an Höhe, der Weg wird zu einem angenehm grasigen Feldweg und der Nieselregen hat nun auch endlich aufgehört. Ich komme wieder einmal an Einsiedeleien vorbei bei denen ich den Eindruck habe hier sei die Zeit stehengeblieben. Ein Bauer pflügt seinen Acker mit zwei Ochsen und die alte Oma neben an im Gemüsegarten zupft in gebückter Haltung das Unkraut aus dem Gemüsegarten. Alles erscheint mir grau und fade, erbärmlich und entbehrungsvoll, das Wetter ist kein Wetter für Fotos so belasse ich es diese Bilder in meinen Gedanke zu speichern und radele weiter bergauf in Richtung der Gastfreundlichkeit. Die Wegbeschaffenheit wird nun wieder schlechter, steile Passagen mit Steinen und Fels, tiefe Rillen erschweren meine Etappe. Der Camino ist anspruchsvoll ab Villafranca Montes de Oca hinauf nach San Juan de Ortega. Bei gutem Wetter hätte mir diese Passage sicherlich mehr Spaß gemacht, heute war es eine richtige Plackerei. Es geht steil bergab und bald wieder auf schönen Pfaden durch flechten bewachsene Eichenwälder hinauf zum Friedensdenkmal. Meine Kamera ist tot…Batterie ist leer…..oh warum jetzt? Es geht steil in einen Graben und auf der anderen Seite ebenso steil wieder hinauf, wenig später geht es in eine Brandschneise und durch etwas eintönigen Kiefernforst. Bald erreiche ich jedoch San Juan, die Abtei mit dem Grab des Heiligen. Ein stimmungsvoller Ort auf den Camino und wie für mich gemacht als Belohnung für die harte Etappe scheint die Sonne kräftig um mich zu begrüßen, sie scheint schon länger doch erst bei meiner Ankunft kann ich sie genießen.
…
…
…
…
…
…
…
…
…
…
…
…
…
…
…
…
Nachdem ich mir in der Herberge ein Bett reserviert habe, putze ich mein Rad im Dorfbrunnen. Ich hab die Räder rausgenommen und mit einer großen Bürste die Reifen geputzt, anschließend befreite ich das übrige Rad vom Schlamm. Nun strahlt es wieder blitzeblank im schönsten weiß. Erst mein Pferd Rad …dann ich.
Die Duschen sind genauso alt und kalt wie das mittelalterliche Gebäude in dem das Refugium untergebracht ist. Dagegen ist der Herbergsvater umso herzlicher und gastfreundlich! Nach einer alten Tradition gibt es am Abend für die Pilger eine Knoblauchsuppe. Dies geht auf einen Pater zurück der in dieser Abtei San Juan de Ortega Langezeit lebte. Jeder einzelne Pilger wurde beim gemeinsamen Essen aufgerufen und beklatscht, je kälter der Raum in der Herberge umso herzlicher die Menschen, so scheint es mir heute oder war es die ansprcuhsvolle Etappe?
Die mühsamen Steigungen auf die eindrucksvollen Höhen der Oca Berge (um 1100m) haben viel Kraft gekostet. Die Wegbeschaffenheit lehmiger steiniger Boden war durch den Regen sehr beschwerlich und hat harte Anfprderunen an mich un mein Bike gestellt! Jedoch hat diese Region ihren eigenen Zauber, mal abwarten ob mein Hintern und meine Oberschenkel genauso schnell vergessen wie mein Geist!
Fazit:
Der Weg ist zauberhaft auch wenn man es nicht im Moment erkennt!
Tagesprotokoll:
60,36 km, 4:32:33, Ø13,28 km/h, max. 47,25, 1993 kcal, Puls Ø134 bpm, max. 165 bpm







Toll!!! Ich lebe weiter mit und freue mich über jede neue Geschichte! Und Knoblauchsuppe kenne ich auch – legga!
Liebe Grüsse
es macht spaß, das zu lesen und dir zu folgen. du schreibst sehr lebendig. ich folge mit großer spannung!
Mjami, für eine gute Knoblauchsuppe würde ich auch so manches tun
knoblauchsuppe … und das schmeckt?
nach dem tag und dem reinigen deines bikes war das aussehen der duschen bestimmt völlig egal
hauptsache du warst anschließend sauber und geschlafen hast du danach sicherlich auch bestens ….